Die Arten der Wilderei
Die Jagd der Ureinwohner in den Reservaten darf nicht der Wilderei gleichgesetzt werden. Es muss klar unterschieden werden zwischen der traditionellen Jagd und der nicht traditionellen Jagd (Wilderei).
Die traditionelle Jagd
Jagd der Ureinwohner (im Reservat seit Generationen ansässig) zur Selbstversorgung und zum Tausch
Jagd der Ureinwohner zur Selbstverteidigung oder zur Verteidigung ihres Nutztierbestandes (Zebu Kühe, Ziegen).
Verwendung von Speere, Netze, Pfeil und Bogen als Jagdwaffen
Die Jagdutensilien sind aus Naturmaterialien (Pflanzenschlingen)
Die Jagd erfolgt ausschliesslich zu Fuss
Jagdtabus für bestimmte Tierarten, Zeiträume, etc. (Arterhaltung)
Die Jagderfolge dienen der Stärkung des Sozialgefüges durch Teilung der Beute
Die traditionelle Jagd entnimmt nie mehr als der direkte Bedarf zur Selbstversorgung
Die traditionelle Jagd basiert auf der nachhaltigen Nutzung und schadet der Natur nicht!
Die nicht traditionelle Jagd (Wilderei)
Jagd von gebietsfremden Jägern
Verwendung von Drahtschlingen, Hunden, Gewehren, Fahrzeugen, Funk, etc.
Verkauf der Jagdbeute auf entfernten Märkten gegen Geldzahlung
Organisierte, kommerzielle Bandenjagd zur weiträumigen Vermarktung von Fleisch und Trophäen
Opportunistische Jagd auf jedes Wildtier zu jeder Zeit, besonders aber auf gewinnbringendes Grosswild und Grosskatzen.
Die Beute wird oft vor Ort geräuchert um für einen längeren Abtransport haltbar zu machen.
Die Beute wird in unkenntliche Teile zerlegt und auf den Märkten als legales Fleisch deklariert.
Die nicht traditionelle Jagd (Wilderei) kümmert sich nicht um eine nachhaltige Nutzung. Demzufolge geht mit der Wilderei die Übernutzung des Tierbestandes einher. Die Dezimierung einer einzigen Tierart kann bereits zu einer Kettenreaktion führen (Nahrungskette). Grosskatzen welche im Reservatsgebiet keine Beute mehr finden wandern,
überschreiten die Reservatsgrenzen und es kommt zum unerwünschten Mensch/Tierkonflikt.Bushmeat (Wildtierfleisch), ein neues Kapitel in der Wilderei
Kaum zu glauben was durch die menschliche Profitsucht für Fantasien zutage gelegt werden. Seit neuerer Zeit wird weltweit rasant zunehmend in ‚Spezialitätenrestaurant' exotische Fleischgerichte (Zebra, Giraffe, Antilope, Gazelle usw.) angeboten. Nebst der Spezialität wird besonders die einwandfreie Reinheit des ‚biologischen'
Fleischgerichtes hervorgehoben.
Die Ursprünge und die stark wachsende Ausbreitung muss leider südafrikanischen Farmen zugeordnet werden, welche diese Tierarten in Zuchtbetrieben als Fleischproduzenten halten und züchten.
Der auf dem Weltmarkt bezahlte hohe Preis für diese ‚Wildtierspezialitäten' hat auf dem afrikanischen Kontinent bereits eine grosse Anzahl von gut organisierten mobilen Wilderei Schlachtbetrieben hervorgebracht. Die neue Art von Wilderei erscheint mit modernsten Kommunikationsmittel, Schnellfeuergewehren, Geländefahrzeugen bis hin zu
Kühlwagen. Das Fleisch wird vor Ort zerlegt und erhält das Ursprungszeugnis von einem legalen Zuchtbetrieb oder legalen Hegeabschüssen von Überbeständen. Die in gewissen afrikanischen Länder sehr ausgeprägte Neigung zur Korruption trägt zum Wachstum dieser neuen Art der Wilderei das Seinige bei.
Bei dingfest gemachten Wilderer musste man einsehen, dass man wie im Drogengeschäft nur die ganz kleinen Gauner der untersten Stufe erwischt hat und die führenden Köpfe unangetastet in einem anderen Land leben.
So lange der weltweite Absatz mit stark steigender Nachfrage weiterhin auf diesem finanziell lukrativem Niveau bleibt, wird diese neue Art der Wilderei rasant weiter wachsen.
Die Schlingenfallen in der traditionellen Jagd und nicht traditionellen Jagd (Wilderei)
Schlingenfallen sind auch in der traditionellen Jagd der Ureinwohnen seit jeher üblich. Die Schlingenfallen werden nur in beschränkter Zahl mit grossen Ortskenntnissen ausgelegt und werden in kurzen Zeiträumen überprüft. Zudem sind diese aus Naturfasern gefertigt und führen zu geringeren Verletzungen.
Die Wilderei verwendet jedoch Schlingenfallen aus dünnem Stahldraht (schlecht sichtbar). Sie schneiden in das Fleisch ein (Bein, Hals) und haben immer schlimme, grauenhaft Verletzungen zur Folge. Die Schlingenfallen (Wire Trapp) werden durch die Wilderer in grossen Stückzahlen (die Falle ist billig in der Herstellung) meist in grosser Hektik
nachts ausgelegt. Anhand der gefundenen toten, zum Teil stark verwesten Tiere muss man davon ausgehen, dass viele der gestellten Fallen durch die Wilderer nicht mehr gefunden wurden. Die Tiere verendeten auf grausamste Art und Weise. Nur wer Bilder von verletzten und verendeten Wildtieren aus Drahtschlingenfallen gesehen hat, kann die
Grausamkeit dieser verantwortungslosen Jagdmethode erahnen.
Die Wilderei aus Hunger und Armut
Die Wilderei aus Hunger und Armut nimmt heute in Asien, Südamerika und Afrika zu. Je mehr Menschen, desto mehr Nahrungsnot - und Wildtod. Obwohl am ehesten nachvollziehbar, beschleunigt gerade die "Armutswilderei" die Ausrottung des Wildes. Dies belegt eine neue Untersuchung der WWF-Organisation "Traffic", die im südlichen Afrika den
Handel mit Wildtieren beobachtet. Die Erkenntnisse sind alarmierend: Abertausende von Wildtieren werden verzehrt - angefangen bei den Insekten über Vögel bis hin zu Nagetieren und Säuger wie Antilopen, Büffel und Elefanten. Da beispielsweise in bestimmten Gegenden Afrikas grösseres Wild schon verschwunden ist, werden jetzt bereits auch
Zebras, Flusspferde und immer kleinere Tiere als "Buschfleisch" (Bushmeat) gewildert. Dies vor allem während Dürren, schlechten Wirtschaftszeiten, Kriegen oder Hungersnöten, wo die Bevölkerung auf die - rasch schwindenden - "Wildreserven" zurückgreift. Die Situation der Menschen wirkt sich immer auch auf das Wild aus. Wo Menschen genügend
Eiweiss zu essen haben, hat auch das Wild grössere Überlebenschancen.
Die Trophäen Wilderei
Das niederträchtigste ist das der weltweit praktizierten Trophäen-Wilderei. Menschen töten Wild, um grosse Geschäfte zu machen oder um Statussymbole zu erwerben. Tiger, Nashörner, Bären, Löwen, Elefanten, Krokodile, Leoparden, Fische, Riesenschlangen, Jaguare, Menschenaffen, Schildkröten und viele andere wild lebende und oft bereits
bedrohte Tiere müssen dafür ihr Leben lassen. Je nach Art und Weltregion werden ihre Felle, Organe, Hörner, Zähne und Klauen in klingende Münze umgesetzt und als Heilmittel, Kleidung und Schmuck verkauft. Zunehmend gewildert werden aber auch Eier oder lebende Tiere wie Vögel, Reptilien, Nager und Schildkröten, die in Zoohandlungen, Häusern
und Wohnungen für ihr restliches Leben weggesperrt werden.
Die Wilderei auf dem Schwarzen Kontinent zeigt exemplarisch auf, dass Trophäen-Wilderer häufig auf Befehl eines kaum durchschaubaren Netzes von Beamten, Händlern, Diplomaten und international operierenden Organisationen handeln. Die Wildererbanden können bestens ausgerüstet sein. Zur Massakrierung der Elefanten (Elfenbein), Nashörner (Horn)
und Raubkatzen (Felle) verfügen sie oft über Geländefahrzeuge, modernste Kommunikationsmittel, Präzisions- und Schnellfeuergewehre, Nachtsichtgeräte, viel Geld - und damit auch gute Beziehungen zur lokalen Bevölkerung, die ihnen gegen Bares den Aufenthalt der Tiere verrät. Trophäen-Wilderer dieses Kalibers gelten als besonders rücksichtslos
und schiesswütig. Technisch sind sie den vielfach schlecht ausgerüsteten Wildhütern weit überlegen. Ihre Existenz verdanken sie vor allem den Asiaten (rund 70 Prozent des Elfenbeins landet in Japan), aber auch den Konsumenten im Westen. Denn ohne internationalen Markt könnten die Trophäen-Wilderer keine Geschäfte machen.
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